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Auftritt mit der heimlichen Niersteiner Nationalhymne
 

Eine große Ehre war es für den Männerchor, an der akademischen Feier des Niersteiner Stadtjubiläums mitzuwirken. Unter der Schirmherrschaft und Präsenz der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin gedachte Nierstein seiner ersten urkundlichen Erwähnung vor 1275 Jahren, als der Weinberg Glöck 742 dem Würzburger Bistum geschenkt wurde. Bürgermeister Thomas Günther hatte die Schwabsburger Sänger zur Mitwirkung eingeladen und er war es, der den Abend auch moderierte. Der Männerchor hatte dazu das Lied „Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher“, das sogenannte Rheinweinlied, vorgeschlagen.

 


Matthias Claudius hat das Rheinweinlied geschrieben, die Musik kam dazu später von Johann André. Der eigentliche Satz für den Schwabsburger Männerchor hat die Chorleiterin Silva Merkel verfasst.
 

Welche Verbindung hat gerade dieses Stück zu Nierstein, dass es den Weg in das Programm zur 1275 Jahrfeier gefunden hat? Welche Beziehung hatte dieser große norddeutsche Literat und Journalist, dem wir solch lyrische Stücke wie „Der Mond ist aufgegangen“ und „Wir pflügen und wir streuen“ zu verdanken haben? Matthias Claudius hatte von 1770 bis 1775 den „Wandsbecker Bothen“ herausgegeben, der aber durch die Zensur stark eingeschränkt wurde. Durch Vermittlung Johann Gottfried Herders ging Claudius 1776 als Obercommissarius zur Oberlandkommission nach Darmstadt. Claudius kehrte jedoch bereits nach einem Jahr mit seiner Familie nach Wandsbeck zurück, da er sich mit den hierarchischen Verhältnissen der Residenzstadt Darmstadt nicht hatte arrangieren können. Obwohl die Zeitung nicht mehr erschien, publizierte Claudius weiterhin unter dem Namen „Der Wandsbecker Bothe“. In seinen Gedichten und Überlegungen verwendete er als Pseudonym auch den Namen Asmus.
In seiner Darmstädter Zeit hatte er als Obercommissarius der Oberlandkommission auch die gesamte Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zu bereisen und die Grenzen aufzunehmen. Nierstein gehörte seinerzeit noch zusammen mit dem Kornsand zur Kurpfalz. Rheinhessen wurde ja erst 1816 der Herrschaft von Hessen-Darmstadt, mittlerweile Großherzogtum, zugeschlagen. Es gilt als sicher, dass Claudius damals die Niersteiner Weinlagen zu Gesicht bekam, von denen die Glöck weithin sichtbar ist. Und dass er den guten Niersteiner Rebensaft genoss. Claudius muss von der Güte des Weines dermaßen beeindruckt gewesen sein, dass er noch im selben Jahr das Rheinweinlied schrieb und im Heft „Asmus III“ veröffentlichte, 1778 nochmals unter „Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen“.


Von den ursprünglich neun Strophen werden heute nur noch vier gesungen. Die übrigen fünf Strophen voller Pathos erheben den gepriesenen Wein über die Produkte anderer Länder und deutscher Regionen und entsprechen nicht so dem heutigen Zeitgeschmack und politischer Korrektheit. Die verbliebenen vier Strophen können aber zu Recht als heimliche Niersteiner Nationalhymne gelten.
Gemeinsam mit der Kirchenmusik „die Kilianos“ präsentierte der Männerchor zudem die Europahymne „Freude, schöner Götterfunken“ aus Beethovens 9. Symphonie und die deutsche Nationalhymne, gemeinsam mit dem Publikum, zum Abschluss des ehrwürdigen Abends.

 

 

 

Fotos: (c) Michael Bahr